Rationen gestalten

Rationen zusammenzustellen, ist nicht ganz einfach, da man jede Ration in Abhängigkeit von der gewählten Protein- und Kohlenhydratquelle normalerweise immer wieder neu berechnen muss. Damit es für Sie einfacher ist, stelle ich auf dieser Seite vielzählige Menüs für die einzelnen Gruppen gesunder Hunde zur Verfügung. Bei Fragen hierzu oder falls Sie einen empfindlichen bzw. kranken Hund haben, kontaktieren Sie mich gerne. Je nach Art der Empfindlichkeit oder Erkrankung kann ich Ihnen einen individuell abgestimmten Diätplan erstellen.

Grundsätzlich wird hier mit der prozentualen Zusammenstellung der Ration gearbeitet, die die Nährstoffversorgung im Durchschnitt sehr gut gewährleistet. Für die Erstellung einer individuellen Ration für Ihren Hund rechnen Sie dann einfach auf die jeweils benötigte Futtermenge um.

Letztendlich sollte man sich bewusst machen, dass die Natur nicht mit der Feinwaage arbeitet. Natürliche Schwankungen sind normal und vorgesehen. Der Körper hat die Möglichkeit, Reserven zu bilden, auch wenn eine Ration einmal nicht ganz optimal ist. Dies gleicht sich dann mit der nächsten Mahlzeit schnell wieder aus. Wichtig ist es, grundsätzlich bestimmte Mengenverhältnisse einzuhalten und sich in Bezug auf die jeweilige Diät, die Vorteile verschiedener Zutaten zu Nutze zu machen.

 

Vorgehensweise

 

Schritt 1: Festlegen von Hundetyp und Richtwerten

Als erstes sollten Sie den Typ Ihres Hundes bestimmen. Je nach Konstitution, Futterzustand und Aktivität Ihres Hundes, finden Sie in dieser Tabelle die empfohlenen Richtwerte der Ration bezogen auf die Trockensubstanz (i. d. TS) sowie die Zuweisung zu den geeigneten Menüvorschlägen. Die Rohprotein und -fettanteile variieren von Ration zu Ration, was aber kein Problem darstellt.

Bitte beachten Sie unbedingt die wichtigen Hinweise zu den Prozentangaben der Menütabellen.

Adulte Hunde Richtwerte i. d. TS Menü
Normale Aktivität
Normal- bis übergewichtig
Rohprotein: 20-23%
Rohfett: 9-25%
Rohfaser: 1,5-3,5%
Rohasche: 1,5-4,5%
Eiweiß-Energie-Verhältnis: 10 g vRp/uE
Tabelle 1
Erhöhte Aktivität
Schlank oder
untergewichtig
Rohprotein: 22-24%
Rohfett: 12-25%
Rohfaser: 1,5-3,5%
Rohasche: 1,5-4,5%
Eiweiß-Energie-Verhältnis: 10 - 11 g vRp/uE
Tabelle 2
Hundesenioren * Richtwerte i. d. TS Menü
Normal- bis übergewichtig Rohprotein: 22-23%
Rohfett: 9-25%
Rohfaser: 1,5-3,5%
Rohasche: 1,5-4,5%
Eiweiß-Energie-Verhältnis: 10 - 11 g vRp/uE
Tabelle 3
Mit Muskelabbau
oder untergewichtig
Rohprotein: 23-25%
Rohfett: 12-25%
Rohfaser: 1,5-3,5%
Rohasche: 1,5-4,5%
Eiweiß-Energie-Verhältnis: 11 - 12 g vRp/uE
Tabelle 4

* Wann wird ein Hund zum Senior?

Grundsätzlich ist nicht nur das Alter allein ausschlaggebend dafür, ob ein Hund als Senior gelten kann oder nicht. Als Senior sollte nur der Hund eingestuft werden, der eindeutige Symptome eines fortschreitenden Alterungsprozesses wie z. B. ein Nachlassen der Mobilität, verschlechterte Herz-Kreislauffunktionen, altersbedingte Bewegungsstörungen oder ähnliches zeigt.

Dieser Zeitpunkt kann nicht allein von dem Alter des Hundes abhängig gemacht werden, sondern stellt sich individuell unterschiedlich ein. So gibt es gerade bei großen Rassen nicht selten Hunde, die schon mit 5-6 Jahren als Senior eingestuft werden müssen, wohingegen andere Hunde noch mit 13-14 Jahren ohne nennenswerte Beeinträchtigungen am Leben teilnehmen. Letzteres insbesondere bei Hunden kleinerer und mittlerer Größe.

Um ältere Hunde optimal zu ernähren, muss diese Frage als erstes geklärt werden. Erst darauf aufbauend kann die Rationsgestaltung erfolgen. Hierbei hängt die Zusammensetzung genau wie beim Hund mittleren Alters von der individuellen Konstitution und den gegebenen Lebensumständen ab.

„Die“ pauschale Seniorfütterung gibt es nicht. U. a. darum sind industriell hergestellte Seniorfutter mit Vorsicht zu genießen.

Junge Hunde Richtwerte i. d. TS Menü
Welpen 2. bis 6. (8.) Monat Rohprotein: 25-28%
Rohfett: 12-25%
Rohfaser: 1,5-3,5%
Rohasche: 1,5-4,5%
Eiweiß-Energie-Verhältnis: 12 g vRp/uE
Tabelle 5
Junghunde 9. bis 12. Monat Rohprotein: 25%
Rohfett: 12-25%
Rohfaser: 1,5-3,5%
Rohasche: 1,5-4,5%
Eiweiß-Energie-Verhältnis: 10 - 12 g vRp/uE
Tabelle 6

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Schritt 2: Errechnen der Gesamtfuttermenge pro Tag

Errechnen Sie die benötigte Gesamtfuttermenge Ihres Hundes pro Tag, wenn Sie diese noch nicht kennen. Eine Faustregel lautet: Futtermenge für selbst zubereitete Rationen = ca. 2 - 4 % des Körpergewichts. Schlanke, aktive Hunde tendieren dabei zu 4 %, normal aktive Hunde zu 3 % und gemütliche bzw. bewegungseingeschränkte Hunde zu 2%.

Soweit die Theorie...

...die Praxis sieht oft anders aus. Die hier beschriebene Festlegung der Gesamtfuttermenge kann für alle Hunde, ob jung, alt, dick oder schlank nur als Anhaltspunkt am Anfang der Futterumstellung dienen. Es handelt sich lediglich um Durchschnittswerte, die abhängig von vielen Faktoren wie Bewegungsaktivität, Gesundheitszustand, Klima, Jahreszeit etc. erheblich variieren können. Daher muss die Menge in der Regel nach und nach auf den tatsächlichen Bedarf des Hundes einreguliert werden. Nimmt er an Gewicht ab, erhöht man solange die Menge in kleinen Schritten bis er einen optimalen Futterzustand hat und hält. Legt er zu viel an Gewicht zu, reduziert man die Menge schrittweise bis ebenfalls ein guter Futterzustand erreicht ist.

Erwachsene Hunde

Beispiel: Normalaktiver Hund mit 25 kg: 25 x 0,03 = 750 g.
Beispiel: Schlanker, aktiver Hund mit 10 kg: 10 x 0,04 = 400 g.
Beispiel: Gemütlicher oder bewegungseingeschränkter, erwachsener Hund mit 20 kg = 20 x 0,02 = 400 g

Welpen und Junghunde

Allgemeines: Legen Sie bei Welpen und Junghunden immer das voraussichtliche Endgewicht zugrunde. Wiegt der Welpe aktuell 10 kg, wird aber als erwachsener Hund voraussichtlich 30 kg wiegen, so gehen Sie von 30 kg aus. Bitte bedenken Sie insbesondere bei Welpen und Junghunden, dass die benötigte Futtermenge ausgehend vom voraussichtlichen Endgewicht auch durchaus 2 bis 3 mal höher liegen kann, wenn ein Wachstumsschub erfolgt. Hier entscheidet immer der aktuelle Futterzustand!

Über- und untergewichtige Hunde

Allgemeines: Legen Sie bei über- und untergewichtigen Hunden immer das Zielgewicht zugrunde. Wiegt der Hund aktuell 30 kg, sollte aber 25 kg wiegen, so gehen Sie von 25 kg aus. Gleiches gilt für untergewichtige Hunde. Soll bei einem aktuellen Gewicht von 20 kg, der Hund letztendlich 25 kg wiegen, nehmen Sie ebenfalls 25 kg als Grundlage für die Berechnung.

Futtermenge reduzieren bei Übergewicht

10 % (leichtes Übergewicht)
20 % (mittleres Übergewicht)
30 % (starkes Übergewicht)

Futtermenge erhöhen bei Untergewicht

50 % (leichtes Untergewicht)
100 % (mittleres Untergewicht)
200 % (starkes Untergewicht)
Futtermenge bitte langsam steigern!

Abschließend zur Futtermenge

Die passende Futtermenge kann nur annähernd errechnet, muss immer in der Praxis angepasst und verifiziert werden.

„Das Auge des Herrn füttert das Vieh.“ ist ein altes Sprichwort, das die notwendige Flexibilität und das Einfühlungsvermögen beschreibt, welche vom Menschen benötigt werden, um die optimale Futtermenge zu finden.

Leider sind viele Hundehalter heute auf Tabellenwerte fixiert, unabhängig davon wie ihr Hund aussieht. Das sollte nicht passieren. Hier muss die im Menschen vorhandene Fähigkeit, die Verantwortung für die Gesundheit des Tieres zu übernehmen unbedingt wieder reaktiviert werden.

Die Lösung ist nach meiner Meinung, Tabellenwerte als Grundlage zu nehmen, die man dann in der Praxis zugunsten des Hundes auch ohne Hemmungen variieren darf, wenn es nötig ist.

Das zu intensive Starren auf Tabellen- und Bedarfswerte macht den Hund in der Regel nicht gesünder, sondern schadet seiner Gesundheit sogar häufig. Dies gilt insbesondere für den Bereich des Selbstzubereitens. Leider wird hier häufig der Eindruck vermittelt, das man ganz schnell alles falsch machen kann. Dies stimmt nur bedingt. Wenn man einige Regeln beachtet, ist man auf der sicheren Seite.

Die Natur kennt und lebt mit Schwankungen, insbesondere was die Nährstoffversorgung betrifft. Hier ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise gefragt, statt sich nur auf Tabellenwerte zu fixieren.

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Schritt 3: Auswählen geeigneter Menüs

Im nächsten Schritt wählen Sie aus der für den Typ Ihres Hundes passenden Rationstabelle (Spalte 3) das gewünschte Menü aus. Sie können selbstverständlich frei variieren oder aber auch nur ein bis zwei Menüs dauerhaft füttern. Im Vordergrund stehen die Verträglichkeit und Akzeptanz bei Ihrem Hund (Protein- und Fettgehalt) sowie die realistischen Beschaffungsmöglichkeiten z. B. von Fleisch.

Die Verträglichkeit sollte auch ausschlaggebend für die gewählte Aufbereitungsform sein z. B. ob Fleisch roh oder gekocht angeboten wird bzw. ob Flocken oder gekochte Kohlenhydratträger eingesetzt werden.

Zwei verschiedene Rezepturtypen

Rezepturtyp 1

Fleisch, Fisch etc., Kohlenhydratquellen und Gemüse in der Frischsubstanz – also roh, gekocht, gedünstet oder gegart anbieten – und Öle, Kräuter, Früchte sowie andere Zugaben wie empfohlen in nativer (Öl) oder trockener Form hinzufügen.

Beispiel:
Rindfleisch, gekocht
Reis, gekocht
Möhren, gedünstet
Dorschleberöl
Kräuter, Früchte und andere diätetische Zugaben (meist in trockener Form)

Rezepturtyp 2

Eiweißquellen in der Frischsubstanz – also roh, gekocht, gegart, gedünstet anbieten und gleichzeitig Getreide-, Kartoffel- sowie Gemüseflocken einsetzen. Auch hier werden Öle, Kräuter, Früchte und andere Zugaben wie empfohlen in nativer (Öl) oder trockener Form hinzugegeben.

Beispiel:
Rindfleisch, roh oder gekocht
Kartoffelflocken, eingeweicht
Rote Bete Flocken, eingeweicht
Dorschleberöl
Kräuter, Früchte und andere diätetische Zugaben (meist in trockener Form)

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Ein paar wichtige Hinweise zu den Prozentangaben

  • Fleisch, Fisch, Ei und Milchprodukte werden im rohen frischen Zustand gewogen und dementsprechend mengenmäßig eingesetzt. Der Verlust durch die Aufbereitung ist in den Menüs eingerechnet.
    Beispiel: Benötige ich 50 % Fleisch bei einer Futtermenge von 1 kg, so wiege ich 500 g frisches Fleisch ab und koche es dann anschließend.
  • Die Prozentangaben in den Menüs beziehen sich immer auf die Frischsubstanz.
    Beispiel: Das Gewicht von Reis, Nudeln und Kartoffeln wird immer im gekochten Zustand bemessen. 60 % bei einer Futtermenge von 1 kg, wären dann 600 g davon in gekochtem Zustand. Man kann die Mengen in die trockene Form umrechnen, so dass das Handling beim Kochen einfacher wird.
    Beispiel: Benötige ich 600 g gekochten Reis oder Nudeln, so muss ich 200 g Reis bzw. Nudeln in trockener Form wiegen und dann kochen, da der Umrechnungsfaktor 1:3 ist. Bei Kartoffeln geht man von einer Wasseraufnahme zwischen 5-12% aus, so dass aus 200 g rohen Kartoffeln etwa 210 g bis 225 g gekochte Kartoffeln werden.
  • Das Gewicht von Flocken aus Getreide, Pseudogetreide und Gemüse wird im Originalzustand (trockener Form) bemessen. Das für ein Einweichen notwendige Wasser kommt sozusagen „oben drauf".
    Beispiel: Benötige ich 200 g Haferflocken, so weiche ich 200 g Haferflocken ein, Gleiches gilt für Gemüseflocken. Benötige ich 25 g Möhren für meine Ration, weiche ich 25 g Möhrenflocken ein.
  • Der Anteil an Öl kann von der Mindestmenge ab an bis auf die hier genannten Anteile erhöht werden, wenn Verträglichkeit und Futterzustand des Hundes es zulassen. Dorschleberöl bildet eine Ausnahme. Hier nicht mehr als 1-2% verwenden, da der Anteil an Vitamin A, D und E sehr hoch ist und eine Überdosierung vermieden werden muss. Grundsätzlich gilt: Je fettärmer die Eiweißquelle, desto höher kann der Ölanteil gewählt werden. Dementsprechend ist der Gemüseanteil anzupassen (Richtwert Gemüse + Öle = 10%).
  • Alle diätetischen Zugaben werden zusätzlich in der jeweils angegebenen Dosierung beigegeben und sind nicht in den 100% enthalten.
 

Schritt 4: Hinzufügen von diätetischen Zugaben, Kräutern und Früchte

Als letzten Schritt fügen Sie die für Ihren Hund geeigneten diätetischen Zugaben bei.

Es empfiehlt sich insbesondere bei Welpen und Junghunden die Calcium-Phosphorversorgung im Auge zu behalten. Hier ist darauf zu achten, dass weder mangel- noch überversorgt sowie ein passendes Ca-P- Verhältnis eingehalten wird. Sollten Sie hier unsicher sein, melden Sie sich gerne bei mir. In der Regel sind maßvolle Zugaben von geeigneten Knochen, Knochenmehl, Eierschalenmehl, Algenkalk etc. - also natürliche Calciumquellen ohne zusätzliches synthetisches Vitamin D der beste und gesündeste Weg.

Unter Kräuter und Früchte sowie sonstige diätetischen Zutaten finden Sie eine dementsprechende Auflistung. Welche anderen Zugaben Sie wählen, hängt von Ihrem Hund ab. Beliebt sind diätetische Zugaben zur Unterstützung der Verdauung, der Mikrobiota des Darms oder der Gelenke. Hier ist das Angebot sehr groß.

Meine Empfehlung ist die Zugabe von Kräutern und Früchten als nutritive Dauerergänzung zur Ration.

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